Warum wir unsere Kinder nicht für gute Noten oder Zeugnisse belohnen sollten…

Die heutige Welt ist voll mit materiellen Verführungen für unsere Kinder. Die vollgestopften Spielzeugabteilungen in Kaufhäusern führen zu einer Reizüberflutung und überfordern unsere Kleinen schließlich völlig. Mein zweijähriger Sohn sah im Media Markt einen leuchteten grünen Plüschdinosaurier und wollte diesen unbedingt mit nach Hause nehmen. Er führte sich im Kaufhaus auf als würde sein Leben von dem Besitz dieses grünen Dinosauriers abhängen und dass obwohl er bereits viele Stofftiere hat, die unbeachtet in seinem Kinderzimmer verweilen. Meine Mutter hatte Mitleid mit ihrem Enkel und kaufte schließlich ihm den grünen Dino. Für mich war dies eine interessante Beobachtung, denn ich war mir ziemlich sicher, dass er diesem Dinosaurier nur kurzfristig Aufmerksamkeit schenken würde. Ich sollte Recht behalten, denn bereits nach kurzer Zeit lag er bei den anderen vergessenen Stofftieren in seinem Kinderzimmer….

Für meinen Sohn kam der Wunsch den Dino zu besitzen nur aufgrund eines äußeren reizüberflutenden Impulses heraus und nicht wegen eines inneren Bedürfnisses nach einem Kuscheltier.

Gerade das Erlernen eines bewussten Umganges mit solchen begehrten Konsumartikeln ist in Hinblick auf den Schutz unserer Kinder vor Täterstrategien wichtiger denn je.  Die Täter sind meistens übertrieben freundlich und möchten durch Versuchungen und Lockangeboten die Schwachstelle unserer Kinder knacken. In der Regel werden Kinder nicht gewaltsam entführt, sondern zu Beginn der Tat kommen Täter mit ihren Lockmethoden an ihr Ziel. Jemanden mit einer Schmeichelei oder Anerkennung locken zu können, obwohl das Bauchgefühl kräftig gegen Versuchung protestiert, funktioniert nur, wenn das Selbstwertgefühl angesprochen wird.

Das Selbstwertgefühl besteht zu einem großen Teil aus Erfolg  und Anerkennung. Wenn wir unseren Kindern das Gefühl geben, dass sie wertvoll sind und unsere Wertschätzung nicht an Bedingungen und Leistungen geknüpft sind, verbessert sich das Selbstwertgefühl unserer Kinder enorm. Gerade beim Thema schulischen Leistungen entsteht oft zwischen Eltern und Kind ein ungesundes abhängiges Belohnungssystem, welches zur Zeiten der Zeugnisausgabe besonders intensiv ist. Die Kinder lernen eine Form des „Erpressens“ wenn Anerkennung mit Bedingungen verknüpft sind.  „Wenn du gute Noten nach Hause bringst, mögen wir dich besonders gerne“ oder „wenn du ein gutes Zeugnis hast, bekommst du ein Smartphone“. Die Kinder benutzen also ihre guten  Leistungen um ein Geschenk oder eine Erlaubnis zu erpressen.

Ich finde es viel schöner, wenn unsere Kinder nicht denken: „Ich habe eine gute Note geschrieben, deshalb bekomme ich ein Eis“, sondern stattdessen folgendes Muster in ihren Köpfen verknüpft haben: „Meine Eltern lieben mich, so wie ich bin. Völlig unabhängig von meinen Noten. Und ich finde es toll, dass sie sich über meine gute Mathenote freuen.“  Wenn ihr das Bedürfnis verspürt euer Kind zu belohnen, dann macht es doch nicht aufgrund der Leistung, sondern zum Beispiel aufgrund eines Ereignisses:  „Heute ist Halbzeit. Ein halbes Jahr deines Schuljahres liegt hinter dir, ich freue mich für dich, lass uns ein Eis essen gehen!“

Wenn sich allerdings im Gedächtnis unserer Kinder ein von Bedingungen abhängiges Belohnungssystem verankert, geben wir ihnen gleichzeitig das Gefühl käuflich zu sein.  Hier liegt genau die Gefahr, dass die Kinder bei einem Verführungsversuch eines Täters über ihr Bauchgefühl hinweg hören, weil sie statt wachsam zu sein augenblicklich in eine positive Erwartungshaltung kommen. Ich, als Sicherheitsexpertin für Kinder,  finde es viel sinnvoller, wenn sich im Gedächtnis unserer Kinder der Satz  „Ich bin nicht käuflich!“ oder „Ich verkaufe mich (einen Kuss oder eine gute Leistung) nicht für Spielzeug, Geld oder anderen materiellen Gegenständen“ gespeichert wird.

Schließlich brauchen unsere Kinder nichts von Fremden, was sie nicht auch von uns Eltern bekommen können und unsere Kinder sind perfekt, genauso wie sie sind und das ganz unabhängig von ihren Noten.

Auch lieben wir unsere Kinder mit der gleichen Intensität völlig losgelassen von ihren schulischen Leistungen, denn wahre Liebe ist nie an Bedingungen geknüpft.

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