Warum Kinder auch unhöflich sein dürfen

Befinden sich die Kinder noch am Anfang ihres Lebensweges, sind ihnen Höflichkeitsrituale völlig unbekannt. Verspüren sie ein unangenehmes Ziepen in ihrem Magen oder fühlen sich nicht genügend von ihrer Mutter beachtet, erheben die Kleinen ihr lautes Stimmorgan und beginnen ihren Unmut laut kund zu tun. Schritt für Schritt lernen die Kinder ihre Wünsche auf eine für uns Mitmenschen angenehmeren Art und Weise auszudrücken und lernen wie sie sich in das Leben einer Gemeinschaft sozialverträglich integrieren können. Zu den wichtigsten Aspekten der Höflichkeitsrituale zählen das Begrüßen, Bedanken, Entschuldigen und das Ausreden lassen.

Doch HALT! Was bedeutet eigentlich sozial verträglich? Der Duden sagt folgendes:

Mit sozialen Gesichtspunkten verträglich und sich nicht nachteilig für die Betroffenen auswirkend.

Ich finde es positiv, wenn sich das Verhalten unserer Kinder nicht negativ für die Betroffenen auswirkt doch fehlt bei der Betrachtung ein wichtiger Aspekt – Wirkt sich das höfliche sozial verträgliche Verhalten auch nicht negativ auf unser Kind aus? Wenn das der Fall wäre, ist es dann immer noch richtig in dem Moment höflich zu sein?

In meinen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskursen für Kinder stelle ich gerne die Frage, ob man immer höflich sein muss. Meistens gehen alle Hände in die Höhe und selten bleibt mal eine Hand von einem Kind unten. Bei meiner nächsten Frage „Darf man denn auch unhöflich sein?“ sind die Meisten sehr zurückhaltend und der Großteil der Hände bleiben auf ihren Schößen haftend.

Die Kinder, vor allem die Mädchen, lernen von klein auf immer nett, freundlich und zuvorkommend zu sein. Diese Werte sind so sehr in den Kindern eingebrannt, dass sich diese Werte über ihre innere Stimme und Bauchgefühl wie ein unsichtbares Band hinüber stülpen.

In unserer Gesellschaft zählt es zum Beispiel als höflich sich bei einem Kennenlernen mit dem Namen vorzustellen. Eltern schämen sich für ihre Kinder, wenn ihre Kleinen stumm bleiben. Die Eltern übergehen in der Regel das Bauchgefühl ihres Kindes, indem sie den Namen ihres Kindes verraten. Es ist nicht unhöflich seinen Namen nicht Preis geben zu wollen und sein Naturell nicht jedem Fremden an die Hand zu geben. Wir Eltern sollten sogar in Bezug auf die Sicherheit unserer Kinder sie darin unterstützen auf ihre Intuition zu hören und ihnen die freie Wahl des Namen Weitersagens lassen.

Die Täter sind bestrebt das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, um sie später an einen bestimmten Ort ihres Begehrens locken zu können, um dann das vorher gewonnene Vertrauen dort wieder missbrauchen zu können. Vielen Kindern wurde es mühevoll von den Eltern anerzogen zu jedem Menschen höflich sein zu müssen. Dies hat zur Folge, dass aufgrund der übertriebenen Höflichkeitskonditionierung das Kind gelernt hat, seinem Bauchkribbeln keine Beachtung zu schenken. Es überhört auch seine innere warnende Stimme und offenbart dem Täter seinen Namen oder geht dann sogar mit ihm mit. Lese hier mehr zu dem Thema:

Es gibt zahlreiche Täterlockversuche, die nur aufgrund der antrainierten Höflichkeitskonditionierung der Kinder funktionieren. Der Täter spielt zum Beispiel den verletzten alten Mann, dem das Handy im Auto runtergefallen ist und bittet das Kind ihm das runtergefallene Objekt aufzuheben. Spätestens jetzt ist es an der Zeit „unhöflich“ zu sein und die Bitte vom Fremden abzulehnen.

Ein Hund kommt zum Beispiel mit dem Schwanz wedelnd und einem Stöckchen im Maul auf Max zu gerannt. Max hat nun die Möglichkeit die Aufforderung anzunehmen oder abzulehnen. Wenn Max das Stöckchen nimmt, sind sie vielleicht lebenslange Freunde und der Hund wird bestimmt das nächste Mal wieder kommen und ihm zum Spielen auffordern. Doch was ist, wenn Max eigentlich gar keine Lust auf das Stöckchenspiel hat? Nun muss Max dem Hund verdeutlichen, dass er nicht mit ihm spielen möchte. Vermutlich wird der Hund nie wieder zu Max kommen, ihn „belästigen“ und zum Spielen auffordern. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als wäre der Max, der das Spielen verneint, unhöflich zum Hund gewesen.

Ist es aber nicht genau DAS, was wir Eltern uns von unseren Kindern wünschen?

Selbstbewusste und selbstsichere Kinder, die auf ihre innere Stimme hören, die auch NEIN sagen können. Kinder, die den Mut haben das zu machen, was sie wirklich in ihrem Leben machen möchten und somit ihr Glück und ihren inneren Frieden finden.

Es ist weder richtig immer höflich noch unhöflich zu sein, sondern es kommt auf die Situation an. Für Kinder ist es jedoch schwierig das rechte Maß zu erkennen, daher sind wir Eltern gefragt unsere Kinder zu unterstützen auf ihr Bauchgefühl zu hören auch wenn es vielleicht für Außenstehende bedeutet unhöflich zu sein…

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